Senioren ans Tablet oder an den PC?

Zu Beginn eines Einstiegskurses für Senioren stelle ich die Frage nach dem Gerät. “Besitzen Sie derzeit einen Computer?” Listen habe ich nicht geführt, aber schätzungsweise verfügen 90% der Teilnehmer über einen PC oder Notebook. In der Regel handelt es sich um ausgediente Modelle Ihrer Kinder oder Enkel. Kinder und Enkel bringen kaum Zeit wenig Geduld für die Einstiegshilfe mit. Wegen der Angst, den PC zu beschädigen, trauen sich die wenigsten älteren Menschen ein Selbststudium zu: Sie besuchen lieber einen Einsteiger-Kurs.

Sind PC oder Notebook sinnvolle Optionen?

Seit dem es Tablets gibt, frage ich mich, ob Stand-Computer oder Notebooks eine sinnvolle Option für Senioren darstellen. Meiner Meinung nach ist ein Tablet für die meisten Aspiranten eindeutig die bessere Wahl, um erfolgreich den Zugang zur digitalen Welt zu finden. Ein Tablet hat viele Vorteile gegenüber einen PC, besonders, wenn alltägliche Ziele angestrebt werden. Ein E-Book lesen, eine Zeitung abonnieren, Fotos schießen und diese aufspüren können, eine Mail schreiben, Gehirn-Jogging mittels Spiele betreiben, eine Reise samt Route planen, Videos anschauen, Nachrichten und andere TV-Sendungen nachholen, die eine oder andere nützliche App verwenden? Das alles geht viel intuitiver und einfacher mit einem Tablet! Hierbei denke ich in erster Linie an die einfache Bedienung und an die vielen Konzepte, die man nicht unbedingt verstehen muss, um ein Tablet nutzen zu können.

Viele Faktoren erschweren den Umgang mit PC oder Notebook für die ältere Generation. Durch altersbedingte Einschränkungen (Sehschwäche, motorische Ungeschicklichkeit aufgrund körperlicher Beschwerden oder Alterserscheinungen), erweist sich die Bedienung per Maus oder Touchpad als wahre Geduldsprobe. Das “Adler-Suchsystem”, inklusive Tasten-Kombinationen (die man sich noch einprägen muss) klappt an der Tastatur nicht viel besser. Habe ich die Vielzahl an Symbolen erwähnt, die zu verinnerlichen sind? Menschen, die mit anderen Denkprozessen aufgewachsen sind, empfinden viele Konzepte der Computerwelt als abstrakt und wenig durchschaubar. Die Datei-Verwaltung stellt ein gutes Beispiel dar. Dieses Thema, ist für eine Menge Anwender eines der schwierigsten Aspekte des Arbeitens am PC. Dateien ordentlich abspeichern, wiederfinden, vom USB-Stick auf PC oder umgekehrt übertragen, Dokumente am Format erkennen, benennen, sortieren, eine persönliche Ordner-Struktur erstellen? Da rauchen die Köpfe in jedem Computerkurs. Schaut man in Richtung Einstellungen über die Systemsteuerung, wird man blass um die Nase. Ein paar Optionen sind noch zu bewältigen – Desktop-Bild ändern – OK – Software deinstallieren – da geht das Grübeln los. Ein Amateur kommt damit selten klar. Hinzu kommt noch die Angst vor Viren, Hackern, Internet-Betrug und Ähnlichem.

Natürlich bietet Windows Einstellungen zur „erleichterten Bedienung“ und seit Windows 8 findet man eine Anwendung abseits der Symbole auf dem Desktop. Das reicht nicht aus, um insbesondere für Senioren eine wirkliche Hilfe zu sein. Jahrelang frage ich mich, weshalb Microsoft nicht eine prominente Schaltfläche auf dem Desktop zur Verfügung stellt, welche die Benutzeroberfläche in eine gut durchschaubare Ansicht verwandelt, und zwar programmübergreifend. Ich stelle mir eine Option zur Auswahl der wichtigsten Anwendungen vor, welche auf dem Desktop erscheinen (ohne weiteren Firlefanz bitte). Anwenderprogramme wie Word sollten drei Ansichten bieten: Einfach, Mittel und Fortgeschritten mit entsprechend überschaubaren Befehlen und Optionen in der einfachen Ansicht. Das alles in einer Größe, die die sprichwörtlichen Adler-Augen überflüssig machen. Vergessen wir diese Träume.

Es lebe das Tablet!

Mit wenigen der oben aufgelisteten Hindernisse muss man sich nach der Anschaffung eines Tablets beschäftigen. Nach dem die wichtigsten Einstellungen und Konten eingerichtet sind (für diesen Aufwand haben Kinder und Enkel hoffentlich Zeit), ist man bereit das Gerät zu erkunden. Finger-Wischen über einen Touch-Screen, intuitive Benutzerführung, keine verwirrenden Fehlermeldungen.. ah… mein Herz geht auf! PC-Expertin mag ich sein, dennoch schätze ich mein Kindle Fire Tablet.
ZDF-Nachrichten am Frühstückstisch, schnell Informationen im Internet finden, Mails empfangen und flott beantworten, ein Spielchen zwischendurch, ein Buch lesen oder nach neuen Titeln forschen, Musik hören? Fotos aufnehmen und mit einer lustigen App bearbeiten? Die Liste ist endlos und das Prinzip zu verstehen ist nicht schwer.

Meine Mutter ist vor kurzem 80 geworden. Zum Geburtstag wünschte sie sich ein Tablet. Ich habe sie in der Bedienung eingewiesen und sie kommt mit dem Gerät gut klar. Im PC-Unterricht bekommen meine Kursteilnehmer Gelegenheit mit dem Tablet zu experimentieren. Das klappt ganz wunderbar, ehrlich gesagt, viel besser als die Arbeit am Computer.

 

Meine Empfehlung für Senioren, die sich mit der digitalen Welt anfreunden wollen?

Schaffen Sie sich ein Tablet an. Wenn Sie nicht vorhaben, die Vereins-Buchhaltung zu führen, Ihre Memoiren zu schreiben oder einen Einstieg in die Videobearbeitung zu wagen, dann greifen Sie zu einem schnuckeligen Tablet. Sie werden es nicht bereuen!

Was bedeutet das in Bezug auf PC-Grundkurse für Senioren? Sinnvoll sind Einsteigerkurse weiterhin. Das vermittelte Wissen ist ebenfalls für den Umgang mit Tablets relevant, die erworbenen Kenntnisse rund um das Thema übertragbar.

Senioren ans Tablet bitte!

 

Beitragsbild: http://de.fotolia.com/

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