Senioren am PC – Beispiel-Lehrplan Grundlagenkenntnisse (Teil 3)

Senioren am PC

Überblick der Ziele und Inhalte eines Grundlagenkurses für Senioren

Einsteigerkurse für Senioren biete ich grundsätzlich immer in zwei Teilen an:

  • Einen Grundlagenkurs für Anfänger ohne Kenntnisse bzw. mit sehr geringen PC Kenntnissen.
  • Einen Vertiefungskurs für Absolventen des Grundlagenkurses.

Die Kurse spannen sechs bis acht Veranstaltungen a 3 bis 4 Unterrichtseinheiten und finden zwei Mal die Woche statt.

Gar nicht geeignet für diese Zielgruppe sind Crashkurse, welche einen ganzen Tag in Anspruch nehmen. Teilnehmer brauchen Zeit, um Erlerntes zu üben und zu verinnerlichen, sollen die Möglichkeit haben, in Folgeveranstaltungen ihre Schwierigkeiten ansprechen zu können. Neben des Erwerbs praktischer Fähigkeiten ist es wichtig, das Verständnis für die Themen zu fördern, den Teilnehmern die Angst vor der Technik zu nehmen.


 

Kursüberblick

Kurstitel:     PC-Einstieg für Senioren

Zielgruppe:    Senioren (Anfänger)

Anzahl:        10 Teilnehmer

6 Veranstaltungen (18 UE)

Unterrichtseinheiten pro Veranstaltung: 3 UE zu 45 Min

Ziele des Kurses:

Grundlagen für die Arbeit am PC

  • Hardware, Betriebssysteme und Anwendungsprogramme
  • Maus- und Tastaturbedienung
  • Fensterbedienung
  • Windows-Techniken (Drag & Drop, Markieren)
  • Erste Texte schreiben
  • Erste Ausflüge ins Internet
  • Erste Einblicke in die Datei-Verwaltung (Dokumente öffnen, speichern und wiederfinden)

Angst vor der Technik nehmen
Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten wecken


 

1) Wichtige Inhalte der ersten Veranstaltung

Meiner Erfahrung nach sind die Inhalte der ersten beiden Veranstaltungen eines Einstiegskurses ausschlaggebend für den Lernerfolg der Teilnehmer.

 

a) Die Bestandteile eines Computers und die Vorstellung von PC-Zubehör

Einer der wichtigsten Inhalte der ersten Veranstaltung ist die Erläuterung der Bestandteile eines PCs sowie einen Überblick der Peripherie-Geräte und Speichermedien. Hierzu verwende ich ein geöffnetes, ausgedientes Exemplar und stelle zusätzlich eine Auswahl an Zubehör zur Ansicht / Probe zur Verfügung. Um nahe am Geschehen zu sein, gruppieren sich Teilnehmer um die Ausstellung.

Welchen Wert hat eine Vorstellung der Technik für die Lerngruppe?

Bei einem Staubsauger muss ich lediglich in der Lage sein, den Beutel auszuwechseln; ein Mikrowellengerät ist recht einfach zu bedienen und erfüllt auf Knopfdruck seine Aufgabe. Bei diesen Geräten ist keine nähere Kenntnis des Innenlebens zum besseren Verständnis der Funktionalität erforderlich. Bei einem Computer sieht das anders aus. Lerner begegnen der verborgenen Hardware ständig während der Arbeit am PC und sollten Grundsätzliches über diese Bestandteile erfahren. Was genau ist eine Festplatte, wie sieht sie aus? Was ist ein Laufwerk? Was bedeutet Arbeitsspeicher und die damit verbundene Zwischenablage? Was ist der Unterschied zwischen einer CD und einer DVD? Was ist ein Headset?

Bei der Vorführung ist es nicht notwendig, zu technisch zu werden. Viel mehr gilt es, Bestandteile gesehen zu haben und sie in Zukunft einordnen zu können. Das erhöht das Verständnis für weitere Inhalte des Kurses und nimmt den Teilnehmern einen Teil ihrer Unsicherheit sowie Angst vor der Thematik. Viele Teilnehmer hören beispielsweise zum ersten Mal bewusst digitale Musik, können endlich etwas mit dem Begriff „MP3“ anfangen, bekommen durch Vergleiche verschiedener Speichermedien ein Gefühl für Speicherkapazitäten, Megabytes, Gigabytes usw. und haben eine Vorstellung davon, was eine Festplatte ist und wie diese funktioniert (Vergleich Schallplattenspieler). Die Vorführung dauert ca. 45 bis 60 Minuten und entwickelt sich durch die vielen Fragen und Diskussionen rund um das neu Erlernte, zu einer sehr angeregten sowie interessanten Runde für alle Teilnehmer. Nach einer wohl verdienten Pause rundet ein Quiz, welcher in Zweiergruppen bearbeitet wird, diesen Abschnitt ab. Dieser Einstieg wurde bisher immer sehr positiv empfangen und erleichterte meinen Teilnehmern den Zugang zur Materie.

 

b) Die Handhabung der Maus

Die Maus richtig halten

Kein Meister ist je vom Himmel gefallen: Mausbedienung klappt nicht auf Anhieb – diese motorisch ungewohnte Tätigkeit will erlernt und geübt werden und nimmt bei älteren Menschen oftmals mehr Zeit in Anspruch, als man als Trainer eingeplant hat. Abseits einiger erschwerenden Hindernissen bezogen auf altersbedingte körperliche Erscheinungen (Arthritis, Taubheit / Steifheit einiger Finger, Sehschwäche), ist eine Demonstration zur korrekten Haltung der Maus unerlässlich. Um die Maus erfolgreich steuern zu können, muss diese fest in der Hand liegen, sie darf beim Klicken nicht verrutschen und sollte blind bewegt werden (man schaut nicht auf die Maus, sondern auf den Bildschirm und verfolgt den Zeiger). All das ist leichter gesagt als getan. Aufgabe des Trainers in dieser Phase des Unterrichts besteht darin, alle Teilnehmer einzeln zu besuchen und die Haltung zu kontrollieren und zu korrigieren. In der Zwischenzeit führt die Gruppe einfache Übungen durch (Symbole anvisieren und anklicken, Drag & Drop).

Bei einigen wenigen Teilnehmern ist die Mausnutzung aufgrund extrem verformter Finger fast unmöglich. In diesem Fall empfiehlt sich die Verwendung von Tastatur-Befehlen und/ oder der Wechsel zum Touchpad (falls Notebooks zur Verfügung stehen).

Google-Earth als Übungsplattform

Haben Teilnehmer die ersten Kniffe gelernt, empfiehlt sich weiteres Üben in einem geeigneten Programm. Ich verwende am liebsten Google-Earth, welches sich wegen der vielen Features hervorragend als Übungsfläche zur Handhabung der Maus eignet.

Folgende Techniken können Teilnehmer üben:

  • Ziehen mit gedrückter linker Maustaste (z.B., um die Weltkugel zu rotieren oder die Karte in einer bestimmten Richtung zu bewegen)
  • Exaktes Klicken mit linker Maustaste, um z.B. Fotos anzuzeigen
  • Ein- und Auszoomen mit dem Mausrad
  • In ein Suchfeld Klicken für die Text-Eingabe

Hierbei werden auch die verschiedenen Formen des Mauszeigers verdeutlicht (Pfeil/Zeiger, Hand, Text-Cursor usw.)

Durch die Aufgabenstellung „Finden Sie unseren Schulungsort“, werden alle wichtigen Maus-Techniken trainiert. Die Aufgabe mag sich einfach anhören, ist jedoch eine große Herausforderung für die meisten Teilnehmer. Sie macht trotzdem Spaß und belohnt mit dem Gefühl einen wichtigen Meilenstein schon in der ersten Veranstaltung geschafft zu haben.

Auf die korrekte Handhabung der Maus sollte während der gesamten Veranstaltung geachtet werden – der Praxiserfolg hängt sehr davon ab!

 

Die Maus richtig halten
Korrekte Handhabung der Maus

 

2) Wichtige Inhalte der zweiten Veranstaltung

 

a) Der Unterschied zwischen einem Betriebssystem und einem Anwendungsprogramm

Am Anfang der zweiten Veranstaltung erkläre ich den Unterschied und führe Beispiele zu diesen Software-Arten auf. Dazu gehören auch eine Zusammenfassung der Aufgaben eines Betriebssystems sowie Hinweise zu Software-Paketen und Einzelprogrammen.

Warum ist das wichtig?

In der Regel sind Teilnehmer mit Begriffen wie „Windows“, „Word“ und „E-Mail“ vertraut, wissen aber nichts Genaueres darüber. So höre ich oft folgendes: „Ich schreibe mit Windows“ oder „Ich möchte E-Mails mit Windows verschicken“. Zu den Grundlagen gehört, dass ein Teilnehmer gängige Programme richtig einordnen kann. Es lohnt sich, etwas Zeit in diese Thematik zu investieren.

 

b) Fensteraufbau und -techniken und erste Schritte zur Bedienung eines Programms

Windows Taschenrechner und Paint.Net

Bevor ich in die Bedienung eines Programms einsteige, verbringe ich einige Zeit mit der Vorstellung und Handhabung von Fenstern allgemein. Hervorragend hierzu eignet sich zunächst der Windows Taschenrechner. Das Programm ist klein, übersichtlich und jeder Teilnehmer bringt Erfahrungswerte der Nutzung des realen Counterparts mit.

Folgendes lässt sich mit dem Rechner gut trainieren:

Fenstertechniken:

Rechner über den Bildschirm verschieben, Programm-Fenster ablegen (Minimieren) und wieder aufrufen, Fenster schließen.

Funktionalität:

  • Konzept von Menüs / Untermenüs.
  • Verschiedene Ansichten eines Programms.
  • Ein Programm zu einem bestimmten Zweck einsetzten: Rechenaufgaben lösen.

Kommen alle Teilnehmer gut mit dem Rechner zurecht, ist es Zeit für ein komplexeres Programm: Für die nächste Übung verwende ich Paint.Net.

Die Mal-Funktionen von Paint.Net lassen sich ebenfalls leicht mit einer echten Mal-Tätigkeit vergleichen. Malwerkzeuge wie Pinsel, Radierer und Farbe sind allen geläufig. Gleichzeitig wird die Maushandhabung intensiv trainiert. Das sichtbare freie Zeichnen mittels Maus-Bewegungen verdeutlicht das Steuern des Geräts.

Folgendes lässt sich mit Paint.Net gut trainieren:

  • Verständnis der Arbeits- und Benutzeroberfläche eines Computerprogramms
  • Nutzung von Menüs, Optionen, Werkzeugen und Befehlen
  • Einführung in das Konzept der Eigenschaften von Werkzeugen
  • Spielerische Übungsmöglichkeit für den Umgang mit der Maus
  • Konzept der Benennung von Dateien
  • Speichern von Dateien

Malen am Computer macht Spaß und erzeugt viele Aha-Effekte bei allen Teilnehmern. Dabei kommt insbesondere die Handhabung der Maus zur Geltung. Auch für den Trainer werden Probleme in diesem Bereich sichtbar, so dass eine gezielte Hilfestellung ermöglicht wird. Durch die direkte Vergleichsmöglichkeit zum echten Malen, werden Werkzeuge leichter gefunden und Konzepte wie das Einstellen von bestimmten Eigenschaften der Werkzeuge (in diesem Fall z.B. die Pinselgröße) deutlich.

 

3) Weiterer Verlauf des Grundkurses

In Folgeveranstaltungen werden Kenntnisse in Theorie und Praxis weiter ausgebaut:

a) Einführung in die Textbearbeitung (wegen der Übersichtlichkeit bevorzuge ich WordPad für den Anfang). Trainiert werden:

  • Texte schreiben, manuelle Korrektur
  • Textauswahl / Markierungstechniken
  • Einfache Zeichen- und Absatzformate
  • Text kopieren und einfügen
  • Ein Bild einfügen
  • Dokumente speichern und öffnen

b) Einführung in das Internet

  • Kurze Geschichte des Internets
  • Aufbau von Web- und E-Mail-Adressen
  • Web-Adressen im Browser eingeben
  • Orientierung auf einer Internetseite (Navigationsmöglichkeiten, Links verfolgen)
  • Vor- und Zurückschaltflächen des Browsers
  • Browser-Tabs öffnen und schließen
  • Suchfelder nutzen

Fazit: Jeder Kurs verläuft ein bisschen anders, je nach Lernfortschritt der Teilnehmer schafft man mehr oder weniger. Weil viele Teilnehmer sich nicht trauen, ohne Hilfe am eigenen Computer zu arbeiten, sind Übungsaufgaben, die eigenständig bearbeitet werden, ein wichtiger Bestandteil jeder Veranstaltung. Hierfür sollte immer genügend Zeit zur Verfügung stehen. Je nach Aufgabe wird individuell oder in Paaren gearbeitet.

Frage- und Antwortrunden zwischendurch bieten sich an, um den Wissensdurst zu stillen, und dienen auch dazu, den Unterricht aufzulockern.


 

Einen Lehrplan-Konzept für die ersten zwei Veranstaltungen eines Grundkurses für Senioren finden Sie hier: PC_Einstieg_Lehrplan-2015/2016

Lesen Sie auch

Senioren am PC – Teil 1 – Weniger ist Mehr!
Senioren am PC – Teil 2 – konkrete Situationen im Unterricht

Beitragsbild: http://de.fotolia.com/

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