Senioren am PC – Weniger ist Mehr (Teil 1)

Senioren am PC

PC-Unterricht für Senioren – was ein Trainer im Vorfeld beachten muss

Seit acht Jahren halte ich im Rahmen des Programms für Erwachsenenbildung der Volkshochschule-Werra-Meißners Computer-Einstiegs- und Weiterbildungskurse für ältere Mitbürger. Das Bedürfnis, sich in die Grundlagen der EDV einzuarbeiten, sich zu informieren, die digitale Welt zu verstehen und zu nutzen, scheint bei unseren Senioren ungebrochen zu sein. Bemerkenswert und erfreulich! Wäre die Lehrerschaft in diesem Bereich auch nur halb so engagiert wie die Generation 65+, so würde es an unseren Schulen in Sachen computerunterstützter Unterricht, Einbindung digitaler Medien in Lehrpläne und die aktive Integration meist brachliegender E-Learning-Plattformen ganz anders aussehen. Aber das ist ein anderes Thema.

 

In diesem mehrteiligen Artikel geht es mir um die Gestaltung des EDV-Unterrichts speziell für Senioren.

 

Älteren Menschen Medienkompetenz zu vermitteln und sie der digitalen Welt näher zu bringen, ist für jeden Trainer eine Herausforderung. Dazu gehört die ständige Reflexion, Anpassung und Verbesserung der angewandten Lehrmethoden. Teilnehmer ohne Grundkenntnisse wollen oft schnell vorankommen, merken aber auch bald, dass sie mehr Zeit investieren müssen als angenommen. Als Trainer gilt für mich der Leitspruch „Weniger ist Mehr“. Kleinere Häppchen werden besser verdaut und verstanden als zu viele Informationen auf einmal. Ihr Publikum besteht nicht aus erfahrenen Firmenmitarbeitern, die Problemlösungen oder kleine Kniffe suchen, um ihre Produktivität zu steigern, auch nicht aus Jugendlichen, die durch ihre tägliche Beschäftigung mit dem Medium die besten Voraussetzungen für das schnelle Erfassen und Umsetzten digitaler Lerninhalte mitbringen. Senioren wollen gut informiert aus ihrem Kurs gehen. Sie möchten Grundlagen erwerben, um mit Kindern und Enkeln kommunizieren, im Internet etwas bestellen oder nach Informationen suchen, eine Online-Zeitung lesen, Briefe schreiben, ihre Fotos von der Kamera auf den PC übertragen zu können. Wie geht man besten vor?

 

Ehe man einen Lehrplan entwickelt, sollte einem Trainer folgendes bewusst sein:

 

  1. Fast alle älteren Lerner begegnen Computer-Technologien mit Gefühlen von Unsicherheit und wenig Selbstvertrauen. Die Angst, etwas falsch zu machen und dadurch das teure Gerät kaputt zu machen, ist sehr groß.
  2. Eine Kenntnis gängiger Begriffe rund ums Digitale darf nicht vorausgesetzt werden. Englische Terminologie sollte möglichst übersetzt und erklärt werden.
  3. Aktionen, wie Maus- und Tastaturbedienung und das Orten bzw. Treffen diverser Symbole auf einem Bildschirm sind eine Herausforderung und müssen oft über einen längeren Zeitraum geübt werden.
  4. Die visuell betonte Symbolik eines Programms stellt für einen älteren Lerner KEINE intuitiv zu bedienende Arbeitsoberfläche dar.
  5. Die Herangehensweise beruht auf traditionellen Erfahrungswerten und Lernmethoden.
  6. Im Vordergrund steht der Respekt vor der Technologie und der Angst, das Gerät zu beschädigen. Als Trainer darf man hier keine Experimentierfreudigkeit erwarten. Teilnehmende sollten ständig ermutigt werden zu probieren und zu üben. Dass das Gerät dabei „heile“ bleibt, kann man nicht zu oft betonen.
  7. Teilnehmende melden sich oft nicht, wenn sie Probleme haben, einer Demonstration zu folgen oder eine Übung durchzuführen. Als Erwachsener „outet“ man sich nur ungern vor der Gruppe. Dieses bedeutet ständige Wachsamkeit seitens des Trainers – rote Kärtchen zu verteilen, die dann vom Teilnehmer hochgehoben werden, wenn etwas unklar ist, sind ein guter Lösungsansatz.
  8. Ältere Menschen haben oft körperliche Beschwerden oder Alterserscheinungen, die das Arbeiten am PC erschweren:
    1. Auch mit Brille erkennt man die kleinen Symbole nicht richtig, kann der Maus auf dem Bildschirm nur schwer folgen.
    2. Steifheit in den Fingern / Arthritis / verformte Fingerglieder machen die Bedienung der Maus zur Geduldsprobe.
    3. Hörschwäche – sprechen Sie laut und deutlich.
  9. Sind Teilnehmende erst einmal „warm“ geworden, stellen Sie viele Fragen – auch Fragen, die nichts mit dem Unterrichtsthema zu tun haben. Gehen Sie darauf ein!
  10. Erwachsene wollen allgemein wissen, weshalb sie etwas tun oder lernen sollen. Erklären Sie alles. Hintergrundwissen ist unerlässlich!
  11. Benutzen Sie Metaphern und Analogien, um schwierige Konzepte verständlich zu machen.
  12. Bringen Sie eine riesige Portion Geduld mit und rasen Sie nicht durch den Lernstoff. Betonen Sie die Notwendigkeit, Zuhause zu üben! Wichtig: passen Sie den Lehrplan dem Wissensstand und Lernfortschritt Ihrer Teilnehmenden an. Weniger Stoff, der auch verstanden wird, ist eben mehr!

 


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Beitragsbild: http://de.fotolia.com/

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